Complianceforschung
Compliance ist ein vielschichtiger Begriff. Wörtlich übersetzt handelt es sich dabei um die Einhaltung bzw. Befolgung von Anweisungen und Richtlinien, jedoch umfasst das zeitgemäße Konstrukt weit mehr. Bausteine des modernen Compliance-Begriffs sind Krankheitseinsicht und Akzeptanz, die Einwilligung in die Therapieform, die Kenntnisse die Therapie umzusetzen und eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation. So geht es weniger um eine "Anordnung-Ausführung-Kette", als um Verständnis und aktive Mitarbeit aus Überzeugung.
Insbesondere bei chronischen Erkrankungen ist dies die Grundlage einer effektiven Therapie, sowohl im gesundheitlichen als auch im ökonomischen Sinne. Non-Compliance verursacht Nebenerkrankungen, Komplikationen und Akutbehandlungen - die Ursache erheblicher Gesundheitsgefahren und unnötiger Krankheitskosten.
Viele Dinge begünstigen oder erschweren Compliance auf Seiten der Patientinnen und Patienten. Einige davon können in Datenanalysen aufgedeckt werden. So kann es beispielsweise an soziodemographischen Merkmalen und der Therapieform liegen, dass Arzneimittelverordnungen nicht vollständig oder mit langen Unterbrechungen eingelöst werden.
Die Abrechnungsdaten in der gesundheitlichen Versorgung enthalten Informationen zu Krankenhausbehandlungen, ambulanten Behandlungen, Arzneimittelverordnungen, Krankengeldzahlungen und mehr.
Therapieformen, regelmäßige Arztbesuche und Arzneimittelbezüge sowie die Teilnahme an Patientenschulungen und Disease-Management-Programmen lassen sich hier nachvollziehen und mit anderen Informationen (bspw. der Soziodemographie) in Verbindung setzen. Unsere Auswertungen laufen dabei streng anonymisiert ab - für die Verwertung der Daten aus dem Gesundheitssystem besteht ein ausführliches Datenschutzkonzept, das vom Bundesbeauftragten für den Datenschutz (BfD) als unbedenklich beurteilt wurde.
Potentielle Ursachen und Folgen fehlender Compliance können aufgezeigt und ihren gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen zugeordnet werden. Die Ergebnisse sind vielschichtig:
Richtungsweisende Zusammenhänge in den Daten können in klinischen Studien gezielt auf Kausalität geprüft werden, wichtigen Innovationen in der Versorgung wird durch den aufgezeigten Handlungsbedarf der Weg geebnet. Compliance-Merkmale ergänzen zudem Studiendesigns zur Wirksamkeit von Therapieformen. Durch die Erhebung dieser Merkmale werden wichtige Störvariablen in der Auswertung von Behandlungswegen berücksichtigt.
Persönliche Beratung
Dr. Heiko Friedel
Dr. rer. pol.
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