Krankheitskostenstudien
Die Behandlung chronischer Erkrankungen wie Diabetes mellitus und koronare Herzkrankheiten führen durch alle Bereiche der gesundheitlichen Versorgung. In Zeiten des medizinischen Fortschritts ergeben sich dabei regelmäßig neue Wege für die Patientinnen und Patienten. Diese werden durch das Gesundheitssystem finanziert, sofern der Nutzen die Ausgaben für die Therapie rechtfertigt. Hier stellt sich schnell die Frage nach der Wirtschaftlichkeit von Behandlungswegen und ihrem Nutzen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen.
In unseren Studien werten wir die Daten aus, die bei der Abrechnung in der gesundheitlichen Versorgung entstehen: Krankenhausbehandlungen, ambulante Behandlungen, Arzneimittelverordnungen, Krankengeldzahlungen und mehr fließen in die Auswertungen ein. Auf diese Weise können wir Krankheitsbilder bei Versicherten erkennen und ihre Krankheitsverläufe im Längsschnitt betrachten. Neben den Behandlungswegen und Informationen zu akuten Ereignissen und Begleiterkrankungen, erfassen wir die tatsächlich angefallenen Behandlungskosten für die gesetzlichen Krankenkassen. Gewichtet nach Alter und Geschlecht ist es möglich, die Ergebnisse auf die Gesamtheit gesetzlich Versicherten in Deutschland zu extrapolieren.
Unsere Auswertungen laufen streng anonymisiert ab - für die Verwertung der Daten aus dem Gesundheitssystem besteht ein ausführliches Datenschutzkonzept, das durch den Bundesbeauftragten für Datenschutz (BfD) als unbedenklich eingestuft wurde. Zwei Beispielstudien verdeutlichen unsere Arbeit auf dem Gebiet der Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung.
Das akute Koronarsyndrom mit und ohne perkutaner Koronarintervention
Das akute Koronarsyndrom (AKS) führt die Todesursachenstatistiken in Deutschland an. Myokardinfarkte und die instabile Angina Pectoris bedürfen einer aufwendigen Diagnostik und Therapie. In einer Auftragsstudie haben wir die Krankheitskosten von Patienten mit AKS anhand einer Versichertenstichprobe (N= 1.745) erfasst und auf die gesetzlich Versicherten in Deutschland extrapoliert. Das Studiendesign überschaut einen Zeitraum von 36 Monaten, es ist retrospektiv und beobachtend.
Friedel H, Delges A, Clouth J, Trautvetter D: Expenditures of the German Statutory Health Insurance System for Patients suffering from Acute Coronary Syndrome and treated with Percutaneous Coronary Intervention. EHJE: DOI 10.1007/s10198-009-0181-2.
Krankheitskosten von Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 nach Wertetypen
Der Ressourcenverbrauch des Diabetes mellitus ist international bereits vielfach berechnet worden. Hintergrund ist die zunehmende Prävalenz der Erkrankung, die damit wesentlich zur chronischen Belastung der Gesellschaft beiträgt. Die laufende Versorgung des Diabetes mellitus ist im Vergleich zur Behandlung seiner Langzeitfolgen als "kostengünstig" einzustufen: Die Ausgaben steigen mit dem Auftreten von Langzeitfolgen bis um das Vierfache an.
Neben der richtigen und rechtzeitigen Therapieeinstellung, sind eine Krankheitseinsicht und die Eigenverantwortung entscheidend für den Krankheitsverlauf. Die Therapie bedarf immerhin der außergewöhnlich intensiven Mitarbeit durch den Patienten (Compliance). Diese Tatsache wurde in der Studie aufgegriffen. In einer Auftragsstudie wurden die Krankheitskosten von Typ - 2 - Diabetikern anhand einer Versichertenstichprobe erfasst und um die Informationen einer Versichertenbefragung zur Motivationslage dieser Personen ergänzt (N= 3.829). Durch die Verknüpfung dieser zwei Informationsquellen ist ein facettenreicher Blick auf Typ - 2 - Diabetiker gelungen, der den Fokus auf die Bedingungen für einen optimalen Krankheitsverlauf setzt. Das Studiendesign überschaut einen Zeitraum von 48 Monaten. Eine Veröffentlichung folgt in Kürze.
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Dr. Heiko Friedel
Dr. rer. pol.
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