BKK-Kooperationsprojekt
"Förderung der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt"
Immer mehr Beschäftigte nehmen ihre Arbeitssituation als psychisch belastend wahr - sie empfinden Stress. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostiziert, dass im Jahr 2020 Depressionen und Angsterkrankungen den zweiten und dritten Platz auf der Liste der Volksleiden einnehmen werden. Somit ist es mehr denn je wichtig, Unternehmen durch gezielte Primär- und Sekundärprävention zu unterstützen.
Das vom BKK Landesverband Bayern 2008 in Auftrag gegebene und durch die Team Gesundheit GmbH geleitete zweijährige Projekt "Förderung der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt" setzte genau an dieser Stelle an.
In Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern der BMW BKK sowie der SBK wurden Konzepte und Handlungsansätze zur Förderung der psychischen Gesundheit in zwei Pilotbereichen entwickelt und evaluiert.
Der Fokus des Gesamtprojektes lag auf der Prävention von Stress, Burnout und psychischen Erkrankungen. Da sich das Thema "Psyche" häufig noch in einer Tabuzone bewegt, ist die betriebliche Aufklärung rund um die Thematik sowie die Schaffung von Akzeptanz und Offenheit seitens der Führungskräfte von hoher Bedeutung.
Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen der Pilotprojekte ("Stress Meistern" der BMW AG und "Psychische Gesundheit - ein Programm für Führungskräfte" der Siemens AG) ein Schwerpunkt auf die Stärkung der Handlungskompetenzen von Führungskräften in den Bereichen "eigene Gesundheitsförderung", "persönliches Stressmanagement", "gesundheitsfördernde Mitarbeiterführung" sowie den "Umgang mit psychisch belasteten Mitarbeitern" gelegt.
Ergebnisse
Abschließend zeigt sich, dass das Wissen der Führungskräfte sowie deren wahrgenommene Handlungskompetenzen bezüglich des eigenen Stressmanagements sowie der Förderung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz gestiegen sind. Es wurde deutlich, dass das Bewusstsein sowie die Sensibilität für (psychisch) belastete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugenommen haben:
"Ich gehe nun mit anderen Augen durch das Unternehmen".
"Kollegen tauschen sich offener bzw. überhaupt über das Thema psychische Belastungen aus" und die Hemmschwelle, die Sozialberatung zur Unterstützung hinzuzuziehen, wurde reduziert. Auch konnte das "Wir-Gefühl" und der Zusammenhalt der Führungskräfte untereinander durch die Maßnahmen gestärkt werden.
Darüber hinaus ist die Arbeitszufriedenheit deutlich angestiegen. Die im Rahmen der Workshops vereinbarten Maßnahmenpläne zur Ressourcenstärkung und Stressorenreduktion werden bis heute in den Betrieben aktiv gepflegt und nachgehalten.
Erfolgsfaktoren
- Gemeinsamer Beschluss im Arbeitskreis Gesundheit - Einbindung der Betriebsleitung bzw. Geschäftsführung, des Betriebsrates und des Betriebsarztes von Anfang an - Konsequente Koordination durch Verantwortliche vor Ort
- Ansatzpunkt eigene Gesundheit - Bewusstsein schaffen - Führungskräfte nehmen Belastungen/ Veränderungen ihrer Mitarbeiter/innen schneller wahr, wenn sie ihre eigenen kennen
- Ressourcen fokussieren - Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung stärken
- Barrieren reduzieren - Vorhandene interne Ansprechpartner wie Betriebsärzte oder Sozialberatung gezielt in Workshops einbinden
- Psychische Erkrankungen sind immer noch ein Tabuthema in vielen Unternehmen - es sind sowohl niederschwellige Herangehensweisen als auch vertiefende Angebote notwendig
- Eine Kombination von Maßnahmen der Verhaltens- und Verhältnisprävention erhöhen die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit.
Fazit
Bisher klaffte in Unternehmen häufig eine große Lücke zwischen Theorie und Praxis, wenn es um die Förderung der psychischen Gesundheit von Beschäftigten ging. Es liegen zwar wissenschaftliche Grundlagen und evaluierte Konzepte vor, doch nur wenige Betriebe wenden diese systematisch an. Durch die im Rahmen des Kooperationsprojektes erfolgten umfassenden Recherchen, die Weiter- und Neuentwicklung von Präventionsansätzen und die Erprobung in den Pilotprojekten ist es nun gelungen, eine Handlungshilfe zu entwickeln, die den Namen "Praxishandbuch" tatsächlich verdient. Entstanden ist eine aus der Praxis für die Praxis aufbereitete "Toolbox - Psychische Gesundheit".
Toolbox Psychische Gesundheit
Die Toolbox ist für Betriebskrankenkassen ebenso wie für Unternehmen im Kontext des betrieblichen Gesundheitsmanagements praktikabel einsetzbar.
Sie besteht aus einer CD-ROM und einem Begleitheft. Über den Datenträger ist außerdem der Zugriff auf eine gesicherte Internetdatenbank mit weiteren Informationen möglich. Auf der CD-ROM befinden sich das Hauptelement der Toolbox, das "Praxishandbuch" sowie zahlreiche praxisnah aufbereitete Informationen und Arbeitsmaterialien, wie:
- Beispiele guter Praxis,
- Instrumente zur Analyse psychischer Gesundheit,
- eine Übersicht über wirksame Maßnahmen,
- Ratgebermaterialien wie Handlungshilfen und Broschüren für Führungskräfte, Multiplikatoren und Betroffene,
- Wissensgrundlagen, Zahlen-Daten-Fakten,
- eine Medienbox mit Textvorlagen, Mustern, Materialien und hilfreichen Internetadressen.
Im Handbuch wird Schritt für Schritt beschrieben, wie einzelne Maßnahmen, z. B. Informationskampagnen, Aktionstage, Seminare und Projekte, zur Förderung der psychischen Gesundheit im Unternehmen erfolgreich umgesetzt werden können.
Weiteres zur Toolbox finden Sie hier.
Wir freuen uns, dass das Bundesministerium für Gesundheit unser Team-Projekt auf seiner Website als Best-Practice-Beispiel im Bereich Psychischer Belastung in der Arbeitswelt ausweist. (siehe hier)
Informationen zum Projekt
Sarah Schuster
Diplom-Psychologin
Telefon 0201/56 596-45
EMail schuster(at)teamgesundheit.de