Betriebliches Gesundheitsmanagement

Gesundheitsoffensive "GO"
bei der METRO Group

Das in der Folge dargestellte Projekt trug maßgeblich zum Gewinn des "Deutschen Unternehmenspreis Gesundheit" im Rahmen des Wettbewerbes "Move Europe" bei.

Die METRO Group zählt zu den bedeutendsten internationalen Handelsunternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 65 Mrd. Euro. Hinter dem Erfolg der METRO Group stehen hoch motivierte Beschäftigte. Sie prägen mit ihrem Engagement die Leistungsfähigkeit der METRO Group. Das Unternehmen ist in 34 Ländern an über 2.100 Standorten tätig und beschäftigt rund 300.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Zur Sicherung des Mitarbeiterengagements entwickelt die METRO Group vorausschauende und innovative Personalkonzepte. Ein Schwerpunkt ist die mitarbeiterorientierte Gesundheitsoffensive GO. Mit dieser - auch kommunikativ starken - Initiative verfolgt die METRO Group das Ziel, schrittweise ein flächendeckendes Gesundheitsmanagement zu etablieren.

Neben den GO-Aktivitäten in den Zentral- und Lager-/Logistikstandorten startete die METRO Group ein auf zwei Jahre angelegtes Pilotprojekt in vier Märkten/Filialen. Das Ziel des GO-Pilotprojekts ist die Generierung von Erfahrungen für die Etablierung eines strukturierten betrieblichen Managements von Mitarbeitergesundheit in der dezentralen Konzernstruktur eines Handelsunternehmens.

Wie jede Aktivität der METRO Group muss auch das Betriebliche Gesundheitsmanagement einen aktiven Wertbeitrag zum Unternehmenserfolg liefern. Konkret leistet "GO" einen Beitrag zur Gestaltung von schwerpunktmäßig drei eng miteinander verbundenen Handlungsfeldern:

  1. Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
  2. Gestaltung des demografischen Wandels
  3. Weiterentwicklung von Unternehmens-/Arbeitgeberimage.

Grundsätzlich liegt die Ausgestaltung der Gesundheitsoffensive GO in der Verantwortung der Personalbereiche der unterschiedlichen Konzerngesellschaften, bestehend aus Vertriebslinien (Metro Cash & Carry, Real, Media Markt, Saturn, Galeria Kaufhof) und Querschnittsgesellschaften (z.B. MGI METRO Group Information Technology, MGB METRO Group Buying oder MGL METRO Group Logistics). Für die strategische Gesamtausrichtung ist der Personalbereich der METRO AG zuständig, dessen Vorstand neben der Unterzeichnung der Luxemburger Deklaration konzernweit gültige Leitlinien verabschiedet hat. Zur internen Abstimmung organisiert die METRO AG übergreifende Arbeitskreise.

Wichtiger Partner der Gesundheitsoffensive GO - sowohl in beratender als auch operativer Funktion - ist die METRO AG Kaufhof BKK (MKBKK). Sie nimmt ebenso an den übergreifenden Arbeitskreissitzungen teil wie der Betriebsärztliche Dienst, der in der METRO Group schrittweise durch die Zusammenarbeit mit der GESA vereinheitlicht wird. Das GO-Pilotprojekt wurde in der METRO AG in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Vertriebslinien, der MKBKK und den externen Dienstleistern - Team Gesundheit und Iqpr - entwickelt. Die Leitung des Projekts liegt in der METRO AG. Die beteiligten Vertriebslinien arbeiten gemeinsam mit den Pilotbetriebsstätten über den filialübergreifenden Arbeitskreis am Projekt mit und sind durch regelmäßige Absprachen direkt eingebunden. Auf der Betriebsstättenebene erfolgt die Projektkoordination in den sog. BGM-Teams als lokale Arbeitskreise, die sich u.a. aus Betriebsstättenleitung, Arbeitnehmervertretung, Betriebsarzt und MKBKK sowie der Fachkraft für Arbeitssicherheit zusammensetzen.

 

1. Informations- und Analysephase:

Das GO-Pilotprojekt startete im Herbst 2006 in vier Pilotmärkten und -filialen mit einer umfassenden Information an die Beschäftigten über die geplanten Module. Besonders wichtig hierbei war ein klares Bekenntnis der Betriebsstättenleitungen und Arbeitnehmervertreter für die Relevanz des Themas. Um möglichst alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Betriebsstätten zu erreichen und um dem Schichtsystem Rechnung zu tragen, wurde je nach Bedarf eine große Zahl von Informationsveranstaltungen durchgeführt. Zur Sicherstellung einer kontinuierlichen Information über den Projektverlauf, über Projektergebnisse - wie die Mitarbeiterbefragung - und über geplante Aktivitäten wurden "GO-Tafeln" und Flyer zum kostengünstigen Selbstdruck entwickelt. Diese Flyer können ohne externe Unterstützung in den Märkten einfach und eigenständig auf Grundlage des hinterlegten GO-Designs mit Text und Bildern ausgestaltet und kostengünstig verteilt werden. Zur weiteren Einstimmung auf die folgenden Module und zur Aktivierung der Beschäftigten fanden in der frühen Projektphase erste Gesundheitstage statt. Mit dem dort angebotenen Rücken-Check und der Bioelektrischen Impedanz Analyse (BIA) konnten erste Anhaltspunkte über den individuellen Gesundheitszustand der Beschäftigten gesammelt werden.

Die Analysephase des GO-Pilotprojekts umfasst mehrere Bausteine. Im sog. GO-Check wurden zunächst Vorgespräche in den Märkten/Filialen geführt, um auf Grundlage des persönlichen Kontakts einen Eindruck von den Bedingungen in der jeweiligen Betriebsstätte zu erhalten. Eine Objektivierung dieser ersten Eindrücke erfolgte in der anschließenden Mitarbeiterbefragung. Die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung wurden den Mitarbeitern auf Informationsveranstaltungen vorgestellt, an den GO-Tafeln ausgehängt und sind der Ausgangspunkt der Gesundheitszirkel und der Maßnahmenplanung in den BGM-Teams.

Projektbegleitend lies die METRO Group mit der federführenden Unterstützung der MKBKK und den weiteren marktanteilsgrößten Krankenkassen wie z.B. der DAK innerhalb der METRO Group-Belegschaft Deutschlands bisher größten kassenartenübergreifenden Gesundheitsbericht von der Team Gesundheit GmbH erstellen. Die Erkenntnisse dieses Berichts halfen ebenso dabei, ein deutlicheres Bild für zielgerichtete Maßnahmenmodule zu gewinnen.

 

2. Maßnahmenphase:

Auf Grundlage der Analyse konnten in den BGM-Teams der vier Pilot-Märkte/Filialen Maßnahmenmodule geplant werden. Fester Bestandteil des GO-Projekts sind Gesundheitszirkel, die den Einstieg in einen Bottom-up-Verbesserungsprozess markieren. Weitere Modulschwerpunkte sind die Ergonomieberatung der Beschäftigten und die motivierenden  Gesundheitsgespräche. Die Ergonomieberatung startet mit einem 60-minütigen Seminar, um die Grundlagen des menschlichen Körpers in Bezug zu den körperlichen Anforderungen des Alltags zu setzen. Darauf folgt eine persönliche Beratung inkl. Coaching am Arbeitsplatz. In den motivierenden Gesundheitsgesprächen entwickeln Trainer/innen gemeinsam mit den Beschäftigten persönliche Gesundheitsziele und -strategien, die in einem Follow-up-Gespräch gemeinsam überprüft werden. In Zusammenarbeit mit der MKBKK etablierte das GO-Pilotprojekt in allen Pilotmärkten/-filialen Präventionskurse, wie Rückenfit oder Raucherentwöhnung, die überall große Nachfrage und aufgrund der Zertifizierung durch die Krankenkassen ein hohes Qualitätsniveau erreichten.

Auf der Grundlage der Projekterfahrungen und aufgrund des intensiven Austauschs mit den Märkten/Filialen wurde das Konzept der Gesundheitsassistenten/innen entwickelt. Gesundheitsassistentinnen und -assistenten sind besonders wichtig zur Sicherung der Nachhaltigkeit des Themas, denn sie übernehmen die Rolle des "Kümmerers" und "Multiplikators" für das Thema Gesundheit und arbeiten in enger Abstimmung mit der Betriebsstättenleitung und den Arbeitnehmervertretungen. Sie sind Ansprechpartner für alle Beschäftigten und tragen das Thema im Vertriebsalltag. Dazu wurden diese Personen aus den Reihen der Markt-/Filialmitarbeiter/innen in zwei zweitägigen Schulungen ausgebildet. Nach der Ausbildung erfolgte ein intensives Coaching der Gesundheitsassistenten/innen vor Ort. Mittlerweile moderieren sie eigenständig Gesundheitszirkel oder organisieren Gesundheitstage. Für die Zukunft ist ein intensiver Austausch zwischen den Gesundheitsassistenten/innen sowie regelmäßige fachliche Inputs in Form von Erfahrungsgruppen und Newslettern geplant.

 

3. Evaluation:

Der zentrale Auftrag des GO-Pilotprojekts war die Generierung von Erfahrungen bei der Etablierung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Aus diesem Grund wurden die positiven und auch negativen Projekterfahrungen kontinuierlich dokumentiert und in eine Lessons Learned-Dokumentation überführt.

Ein weiterer Schwerpunkt war eine Zwischenevaluation des Projekts zur Projekthälfte. Dazu wurde im Auftrag der METRO AG eine Diplomarbeit mit dem Thema "Fördernde und hemmende Einflüsse auf die erfolgreiche Einführung eines BGM in einem Handelskonzern" erstellt, die insbesondere die Prozesse des Pilotprojekts evaluierte. Ein großer Erfolg für das GO-Pilotprojekt war insbesondere, dass die Befragung der Projektakteure in den Pilotbetriebsstätten eine hohe Einschätzung sowohl des persönlichen Nutzens des Projekts für die einzelnen Beschäftigten als auch des wirtschaftlichen Nutzens ergab. Ebenso fand die Kommunikation innerhalb des Projekts eine sehr positive Bewertung.

Auf Grundlage der gesammelten Erfahrungen wurden darüber hinaus mit allen Märkten und Filialen regelmäßige Feedbackgespräche geführt, um die Meinung der Betriebsstättenleitungen und Arbeitnehmervertreter kontinuierlich einzubeziehen. Ziel ist die Sicherstellung der Praxistauglichkeit des GO-Pilotprojekts. Weitere Auswertungsmöglichkeiten bietet die im Pilotprojekt vorgesehene Zweitbefragung, die auch im Zusammenhang mit den Ergebnissen der Erstbefragung wertvolle Informationen liefert. Um insbesondere individuelle und gleichzeitig anonymisierte Gesundheitsverläufe beobachten zu können, wurde von Team Gesundheit die GO-Karte entwickelt. Die GO-Karte ist mit einer Nummer bedruckt, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den Aktivitäten des Projekts angeben müssen. Damit kann auf der einen Seite der Erfolg von Maßnahmen kontrolliert und auf der anderen Seite die Anonymität gewährleistet werden. In diesem Zusammenhang wurden z.B. die Check-ups des ersten Gesundheitstages am letzten Gesundheitstag des Projekts wiederholt, um Vergleichswerte zu generieren. Die abschließende Evaluation bestätigte die Ergebnisse der Zwischenevaluation und unterstrich eindrucksvoll die positiven Wirkungszusammenhänge systematische Gesundheitsförderungsansätze. Die Lessons Learned-Dokumentation stellte die Grundlage des nach Projektende erstellten Leitfadens zur Umsetzung des GO-Projekts in weiteren Märkten/Filialen dar.


Art der erbrachten Leistung:

  • Entwicklung der Projektstruktur
  • Bedarfsanalyse (kassenartenübergreifenden Gesundheitsbericht, Mitarbeiterbefragung, Gesundheitstage, GO-Check
  • Informationsveranstaltungen
  • Planung (Maßnahmenplanung, Beratung des filialübergreifenden Arbeitskreises)
  • Durchführung (Moderation der BGM-Team-Sitzungen, Gesundheitszirkel, Ergonomieberatung der Beschäftigten, motivierende  Gesundheitsgespräche)
  • Qualifizierung (Entwicklung des Schulungskonzeptes, Schulung der Gesundheitsassistenten/innen)
  • Evaluation (regelmäßige Feedbackgespräche mit allen Märkten und Filialen, Zweitbefragung, GO-Karte, Lessons Learned-Dokumentation)
  • Erstellung des Leitfadens.


Informationen zum Projekt

Carsten Gräf
Bereichsleiter Betriebliches Gesundheitsmanagement

Telefon 0201/56 596-21
EMail graef(at)teamgesundheit.de