Forschung und Entwicklung

Begleitung von Modellvorhaben:
Der Selbstbehalttarif

Im Jahr 2006 führte eine Betriebskrankenkasse den Selbstbehalttarif ein, der insbesondere abwanderungsgefährdeten Kunden offensiv angeboten wurde.

Nutzer des Tarifs bekamen jährlich eine "Selbstbeteiligungsprämie" in Höhe von 200 Euro ausgezahlt. Im Gegenzug beteiligten sie sich an den Kosten für ihre Behandlungen: 25 Euro für Arzt- und Zahnarztbesuche, 50 Euro für Krankenhausbesuche. Ihr Verlustrisiko wurde auf 75 Euro begrenzt. 

Damit auch Versicherte, die nicht zur Gruppe der "freiwillig Versicherten" zählen, das Angebot nutzen konnten, wurde der Weg des Modellvorhabens nach §63 SBG V gewählt. Ein solches Vorhaben erfordert von Seiten des Bundesversicherungsamts (BVA) die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung durch einen unabhängigen Sachverständigen.

In einer jährlichen Berichtlegung wird der Frage nachgegangen:

Werden die Ziele erreicht? Werden Mehraufwendungen durch die Maßnahme des Vorhabens ausgeglichen?


Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung wurde zunächst ein ausführliches Konzept zur Vorlage beim BVA geschrieben. Erst nach erfolgreicher Abstimmung der Modellinhalte und dem Vorgehen bei der Evaluation begann die Dokumentation der Inanspruchnahmen von Teilnehmern und Nichtteilnehmern des Modellvorhabens. Auf diese Weise wurden u.a. Arztbesuche, Krankenhausbehandlungen und Medikamentenverordnungen einsehbar, einschließlich ihrer Kosten.

Zusammen mit den Informationen zu den ausgezahlten Prämien durch die Krankenkasse konnten ein umfassender Auswertungsdatensatz und ein erster Zwischenbericht erstellt werden.

Der Tarif zielte auf die Stärkung der Eigenverantwortung der Versicherten und die wirtschaftliche Stabilisierung der BKK. Insgesamt wurden 1,8% der Versicherten für die Teilnahme am Modellvorhaben gewonnen.

Mit der Einführung der Wahltarife zum 1. April 2007 durch den Gesetzgeber stand die Kasse jedoch vor der Entscheidung für eines der beiden Tarifangebote: Wahltarife vs. der erprobte Selbstbehalttarif.

In Anbetracht der Popularität der Wahltarife und der neuen Möglichkeiten, die sich mit ihnen boten, war die Einführung für die Krankenkasse unausweichlich. Das Modellvorhaben wurde im Jahr 2007 beendet.


Informationen zum Projekt

Dr. Heiko Friedel
Dr. rer. pol.

Telefon 0201/56 596-28
EMail friedel(at)teamgesundheit.de